Eine Geschichtsschreibung ohne der Rolle der Arbeiter

Von Dariusz Zalega

Im Januar 1919 demonstrierten einige Hundert Arbeiter für Lohnerhöhungen in Königshütte, dem heutigen Chorzów. Das Militär schoss auf sie, es gab 17 Tote und 21 Verletzte. Im Zentrum von Chorzów gibt es nicht einmal eine Gedenktafel. Dies zeigt beispielhaft, wie auch gegenwärtig die Geschichte Schlesiens missachtet wird. Das Los der deutschen Industriellen, wie Reden, Donnersmarck, die die Wirtschaftskraft Oberschlesiens „aufbauten“, vernebeln vollkommen den Blick auf die Geschichte der oberschlesischen Arbeiter, sie waren es, die mit ihrem Schweiß und Blut Oberschlesien aufbauten. Der Arbeiter erscheint in der heutigen Geschichtsschreibung höchstens dann, wenn über seine Religiosität, seine Arbeitsmoral oder seine eigenen Kultur geschrieben wird. Aber über den Arbeiter, der sich organisierte, der um die Verbesserung seiner Situation kämpfte, fällt vollkommen aus dem Bild des Interesses. Natürlich wurde dies auch durch die Volksrepublik Polen beeinflusst, denn mit der Arbeiterbewegung tat sie sich schwer - entweder wurde sie instrumentalisiert oder verfälscht. Aber sollte dies ein Grund sein, um aus der Geschichte Oberschlesiens die eigentlichen Schöpfer – die Arbeiter – außen vor zu lassen?

Bei der Jahrhundertwende vom XIX. zum XX. war es schließlich die arbeitende Bevölkerung, die den regionalen Zusammenhalt schuf, bevor sich überhaupt so ein Gefühl einer nationalen Verschiedenheit (polnisch, deutsch und weniger schlesisch) einstellte. Auf der einen Seite erwachte ein Nationalismus und auf der anderen Seite, dort wo die Bevölkerung zumeist aus Arbeitern bestand - bei der Arbeit oder beim Streik- war es bedeutungslos in welcher Sprache gelesen wurde. Entgegen aller Stereotypen: die Arbeiterklasse zeigte sich seit Epochen besonders tolerant und offen, als höhere gesellschaftliche Schichten. Der Soziologe Edward Pietraszek stellte fest: „Die Mehrheit der Arbeiter, aber auch der Bauern hatte keine nationalen Vorurteile gegenüber denen, die eine andere Sprache sprachen. Sie sahen sie als Ihresgleichen – als Arbeiter an, ja sie wurden im Sinne der Klasse als Mitglieder derselben Gesellschaft angesehen, so auch in Oberschlesien. Schön hat dies der schlesische Schriftsteller Rafał  Urban in  „Pamiętnikach Opolan” – (Oppelner Erinnerungen) beschrieben: „Zum einfachen Volk gehörte auch der deutsch-Bauer aus der Gegend von Głubczyck, so auch der hultschiner Bauer (Gegend um Opava/Tschechien), wie auch der Bergmann aus Tarnowitz, ein anderer aus Weiß-Prudnitz, oder jemand aus Annaberg, aber ein Edelmann oder Mischling gehört nie dazu, egal ob er mit Engelszungen oder Teufelszungen redete“ *

Im XIX. Jahrhundert war für die Industriellen Schlesien ein Glücksfall, hier konnten sie das schnellste Geld machen, denn die Löhne waren niedriger als in anderen Industriegebieten Deutschlands, die Ausbeutung der Arbeiter war viel stärker, weil sie nur einen schwachen Organisationsgrad hatten, weil sie gerade  einmal aus den Dörfern in die Betriebe wechselten. Aber schon 1871 gab es den ersten Streik der Grubenarbeiter in Königshütte und zwei Jahre später eine der ersten Betriebsbesetzungen in Deutschland in der Zeche „Szarlej“ in Beuthen. Bald wurden auch die ersten Demonstrationen zum 1. Mai organisiert. Und in den Arbeitersiedlungen – ähnlich wie in Westeuropa – wurde die Kneipen zu den Zentren, wo sich die Sozialdemokratie bildete – dort wurde die Zeitung kolportiert, diskutiert.
Es kam dabei auch zu kuriosen Ereignissen: Als in Miechowice die Erste-Mai-Demo aus der Kneipe trat, versuchten die Frauen der Arbeiter sie aufzuhalten – aufgewiegelt durch den Pfarrer.

Die Zeit der Schlesischen Aufstände hatte auch Ursachen in nationalen Konflikten. Damals gab es einen starken Prozess der Aktivierung der Arbeiter und das nicht nur mit nationalen Parolen. Es entstanden Arbeiterräte, die Arbeiter attackierten Kasernen und die Direktionen der Betriebe und die Kommunistische Partei Oberschlesiens, die zeitweilig 20.000 Mitglieder hatte, erhob die Forderung nach einer Oberschlesischen Räte Republik. Schließlich hat bei diesem Konflikt dann doch der nationale Gesichtspunkt überwogen, was unter anderem dem verringertem Einfluss der Linken geschuldet war, wenn auch der Klassencharakter immer eine Rolle spielte. Während des 3. Aufstandes hat die Belegschaft der Bismarck-Hütte zwei aufständische Kompanien gebildet, deren Mitglieder haben die deutschen Direktoren in Arrest gesetzt und die Hütte besetzt. Allerdings hat das Kommando der Aufständischen diese Kompanie in einen entlegenen Ort an die Front versetzt und den Direktoren Schutz gewährt.

Eine herausragende Gestalt aus dieser Zeit war Konrad Piecuch, ein Arbeiter aus Krupski Młyn (Kruppamühle), ein Mitglied der „Polska Organizacja Wojskowa“ POW (eine konspirative militärische Formation, die aktiv an schlesischen Aufständen teilnahm), er nahm an Aufständen teil und wechselte nach der Teilung Schlesiens auf die deutsche Seite, denn „für solch ein Polen habe er nicht gekämpft“. Piecuch war dann Mitglied der KPD und wurde 1932 von der SA ermordet. Ein ähnliches Schicksal ereilte Karol Śliwka aus dem schlesischen Cieszyn, der ebenfalls aktiv bei den Arbeitern war. Auch er war Mitglied der POW, dann Abgeordneter für die Kommunisten im tschechischen Parlament, wurde nach der Besetzung dieses Gebietes durch Polen verhaftet und später von den  Faschisten ermordet. Es gab weitere komplizierte Schicksale schlesischer Aktivisten unter den Arbeitern.

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war der deutsche Teil Oberschlesiens eine der letzten Bastionen der Linken, die gegen die Nazis kämpften. Erinnert sei an die Kundgebung am 17. Juli 1932 in Beuthen mit Tausenden Teilnehmern, an der auch Ernst Thälmann teilnahm. Jenseits der Grenze im polnischen Teil war es auch nicht ruhig. Davon zeugen die Streikwellen aus den Jahren 1923-24,. 1929, 1932 und 1936. Es kam auch zu massenhaften Protesten der Arbeitslosen. Im Februar 1935 drohten Kumpel der Zeche „Szczęście Luizy” mit kollektiven Selbstmord, um ihre Arbeitsplätze zu verteidigen.

Dieser wichtige Teil der Geschichte Oberschlesiens wartet darauf erinnert und aufgearbeitet  zu werden.


*Hier im Original:  Do sprośnego (prostego) narodu należał tak samo chłop-niemra (Niemiec) z głubczyckiej okolicy, jak i chłop-krawak z hulczyńskiego kraju (a więc Czech), tak samo górnik z Tarnowskich Gór, jak pampuń z „goli” pod Białą Prudnicką, albo kobylorz spod Świętej Anny. Ale szlachcic albo mieszczanin nigdy nie należał do narodu, obojętnie, jakim on mówił językiem, anielskim, czy diabelskim”.


Aus dem Polnischen: Norbert Kollenda

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Die Oberschlesien erschütterten

Die Schlacht, aber nicht der Krieg ist gewonnen – so kann das Ergebnis des letzten Protestes gegen die Liquidierung von Zechen bei dem Kohlekonzern Kompania Węglowa A.G. bezeichnet werden. In den anderen Kohlekonzernen ist es auch nicht ruhig. Eines ändert sich allerdings – das soziale Klima bezüglich der Proteste der Bergleute.

Dariusz Zalega

Bisher war es so: die Bergleute streiken, im Netz ergießt sich eine Flut von Hass gegen sie und die Medien beginnen mit einer Kampagne gegen die Kumpel. Dieses Schema wirkte bis zu den jetzigen Massenprotesten in Oberschlesien, hier ging es darum die vier Zechen, die die Regierung schließen wollte, zu verteidigen. 

Gebrochene Versprechungen

Das Jahr 2014 war nicht gut für den Bergbau – die Preise für die Kohle fielen. Es gab Gespräche mit der Regierung und Tusk hat nach einem Gespräch mit Vertretern einer Delegation erklärt: „Eine schnelle Liquidierung von Zechen liegt nicht im Interesse des Staates. Solche Entscheidungen sind recht kostspielig sowohl in gesellschaftlicher Hinsicht als auch mit Blick auf den Staatshaushalt.“ Eine ähnliche Erklärung hat auch die Premierministerin Ewa Kopacz anlässlich des Barbara Festes im vergangenem Dezember abgegeben. Sie hat es schnell vergessen. Am 7. Januar gab es anlässlich der 100 Tage Regierungszeit von Kopacz eine Pressekonferenz. Der zwei Punkt: ‚Vorstellung des Planes für den Kohlekonzern Kompania Węglowa – des größten Kohlekonzerns in der EU. ` Die Bergleute haben aus den Medien erfahren, dass vier Zechen liquidiert werden sollen („Pokój”, „Brzeszcze”, Bobrek-Centrum” i „Sośnica-Makoszowy”).

Lange musste nicht auf Reaktionen gewartet werden. Am nächsten Tag wurde das „Streik- und Protestkomitees des Bündnisses der Gewerkschaften (MKPS) der Region Schlesien – Dąbrowa“ reaktiviert. Dies Komitee hatte vor zwei Jahren den Generalstreik organisiert. Versammlungen und erste Proteste in den Zechen. Bald streikten schon Untertage in verschiedenen Zechen 2000 Kumpel. In den Protest reihte sich die Bevölkerung der Region ein: Tausende Demonstranten liefen durch Zabrze, Ruda Śląska und Bytom und ein Zeltstädtchen entstand bei der Zeche „Brzeszcze“. Am 11. Januar begannen die Verhandlungen mit der Regierungsdelegation. Die Gewerkschaftsvertreter haben sie jedoch abgebrochen, weil sie sich veralbert fühlten. Inkompetenz, fehlende Dialogbereitschaft – so kritisierte der Chef eines TV- Nachrichtensenders –  keineswegs ein Kämpfer für Arbeitsrechte -  das Verhalten der Regierungsvertreter.

Des Weiteren änderte sich die Einstellung zu den Protesten in ganz Polen. Sogar in Internet war das sichtbar, dort es immer mehr Stimmen gab, die die Kumpel unterstützten. Auch die überregionalen Medien haben sich der Auffassungen der Bergarbeiter gewidmet. Eine Umfrage durch zwei TV-Sender ergab, dass 68,5 % der Bevölkerung die Bergleute unterstützten. Diesmal zeigten sich all die Aussagen der Regierung wie viel Krankenhäuser sie hätten bauen können, wenn sie nicht den Bergbau unterstützen müssten als, als nutzlos. Zu den Streikenden kamen immer mehr Zeichen der Unterstützung aus ganz Polen. Sogar die Gewerkschaft der Polizei hat offen den Streik unterstützt: „Die uniformierten Dienste – somit auch die Polizei, konnten selbst erfahren wie ein Dialog mit der Regierung ausschaut!“

Aktivitäten im Internet

Die Gegenoffensive der Bergleute spiegelte sich sogar in den sozialen Netzwerken wieder. Auf Facebook gab es Seiten von Unterstützern, es wurden Aktionen zur Unterstützung eröffnet und viele Fotos wurden veröffentlicht. Eine der interessantesten Initiativen war eine Fanpage, auf der die Kumpel Kopien ihrer Lohnzettel veröffentlichten, was ein breites Echo hervorrief, wurde doch bisher in der staatlichen Propaganda die Kumpel als Krösusse dargestellt. Eine interessante Initiative war eine Seite, auf der Fotos von verschiedenen Betrieben gezeigt wurden, die die Rekonstruierung/Liquidierung hinter sich hatten. So meinte ein Philosoph und Publizist, der mit der regierenden PO (Bürgerplattform)  verbunden ist: „Wir sehen die Kumpel eher mit der Hacke in der Hand als mit einem Smartphon, aber sie können recht erfolgreich die neuen Medien zur Verteidigung ihrer Interessen nutzen!“

Der Öffentlichkeit wurde nach und nach bekannt, dass die ökonomischen Gründe, die die Regierung als Ursache zur Schließung der Zechen nannte, auf recht wackligen Füßen standen. So hat zum Beispiel Jerzy Markowski – ein Experte für den Bergbau und ehemaliger Vizeminister im Wirtschaftsministerium – darauf hingewiesen, dass die jetzige Regierung und der gleiche Wirtschaftsminister einen Investitionsplan für die Zeche „Brzeszcze“ akzeptiert haben, der auch realisiert wurde. „Diese Zeche wurde rentabel gemacht, indem sie innerhalb von 2-3 Jahren 40% weniger beschäftigen konnte, hat neue Flöze erschlossen, entwickelte ein modernes Verfahren für die Anreicherung und Verarbeitung der Kohle und hat eine Anlage gebaut, die Methan entfernt. Jetzt ist alles mit einem großen Kostenaufwand fertig gestellt und da wird diese Zeche geschlossen.“

Die Abschaffung von 10.000 Arbeitsplätzen durch die Schließung dieser Zechen zieht weitere 30-40 Tausend Arbeitsplätze nach sich, die direkt oder indirekt damit zu tun haben. Für diese Region wäre es eine große gesellschaftliche und soziale Katastrophe, vor allen Dingen für die Städte zu denen die Zechen gehören. – „Die Auswirkungen der Schließung der Zeche „Pokój“ werden massiv sein. Deswegen bin ich mit der Schließung dieser Zeche nicht einverstanden!“ unterstreicht die Präsidentin der Stadt Ruda Śląska, der bedeutendsten Stadt des Bergbaus in Europa. Der Präsident von Gliwice stimmte ihr zu. Für ihn sieht der Regierungsplan zur Restrukturierung eher nach einem Statement für die Medien aus als nach einem ernstzunehmender Plan zur Veränderungen im polnischen Bergbau.

Abmachungen mit einigen Unbekannten

Dies führte die Regierung in eine tiefe Defensive – zumal drohte der Protest sich über das ganze Land auszudehnen. Es erfüllten sich nicht die Hoffnungen vom ehemaligen Finanzminister Rostowski und vieler anderer Politiker und Publizisten, dass Ewa Kopacz die polnische Margaret Thatcher wird. Am 17. Januar hat die Regierung ein Abkommen mit den Gewerkschaften unterzeichnet und hat die Absicht, Zechen zu schließen, aufgegeben. Die Verständigung war nicht einfach, aber gut. Zumindest haben wir erreicht, dass dem polnischen Bergbau nicht mehr, wie noch vor 10 Tagen, eine Teil-Liquidierung droht. Es ist ein schwieriges Programm. Der Chef der „Solidarność“ der Region meinte auch: „Leider wird es auch so manchen weh tun.“ Es entsteht eine sog. Nowa (neue) Kompania Węglowa, ein Teil der Zechen wird von dem „Verband zur Restrukturierung der Zechen“ übernommen, bevor sie an neue Investoren gehen könnten (z.B. Öffentliche Hand, Energiewirtschaft), verstärkt wird der Energiesektor durch den Bergbau bedient, die Kumpel verlieren nicht ihre Sonderrechte, die Bedingungen aus der Arbeit auszuscheiden, wurden verbessert. Vor allen Dingen wurden die Arbeitsplätze erhalten. Alle Vereinbarungen so auch diese werfen Fragen auf: wäre es nicht möglich gewesen etwas mehr zu erreichen, heißt es jetzt, dass der Weg zur Privatisierung geöffnet wurde. Vor allen Dingen wie wird die EU reagieren, heißt es doch im Beschluss Nr. 787 von 2010, dass nur die Bergwerke mit einer Unterstützung rechnen können, die liquidiert werden sollen. Das verbesserte Programm soll 2,3 Milliarden Złoty kosten – paradox 200 Millionen weniger als das vorhergehende Programm zur Liquidierung der Zechen. Der Kampf ist gewonnen- ja, aber bis zum Sieg ist es noch weit.

Glimmende Feuer

Die „Kompania Węglowa“(KW) ist nur eine der Kohlekonzerne, dies rief nach einigen Tagen der Protest in Erinnerung bei der „Jastrzębska Spółka Węglowa“ (JSW), die 2011 an die Börse ging, obwohl 55% weiter der Staat hält. Hier gibt es seit langem ein Konflikt zwischen den Gewerkschaften und der Leitung des Konzerns, dessen Chef  Jarosław Zagórowski, die längste Dienstzeit in der Branche vorweisen kann. Öl ins Feuer hat die Entlassung von neun Gewerkschaftern aus der Zeche „Budryk“ gegossen, weil sie die Kollegen der KW unterstützt haben. Dies wurde als ein Bruch der Vereinbarungen vom 17. Januar gewertet, bei dem garantiert wurde die protestierenden Bergarbeiter nicht zu bestrafen. Der Streik begann am 28. Januar und hat die Kleinanlegern wütend gemacht, sodass sie den Vorstand des Konzerns unterstützten. Eine der Forderung betrifft die Übernahme der Beschäftigten, die von  Zagórowski zu einer Brigade „Schulung und Bergbau“ geschaffen wurde und die unter schlechteren Bedingungen beschäftigt wurden als die „normalen“ Beschäftigten des Konzerns. Die Hauptforderung ist jedoch die Abberufung der gesamten Konzernführung, die von den Gewerkschaften als inkompetent angesehen werden. Es scheint nicht unbegründet sein, hat doch die Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“ im März 2013 durchblicken lassen, dass der Vorstand von JSW eine Versicherung in Höhe von 1 Milliarde Złoty abgeschlossen hätte, die sie vor dem Vorwurf der Unwirtschaftlichkeit schützen sollte.

Sehr unsicher ist auch die Situation bei dem dritten Kohlekonzern – Katowicer Kohle Holding (KHW), denn im Frühjahr droht dem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit. 

Die Situation im Kohlebergbau hat sich trotz des Abkommens vom 17. Januar nicht beruhigt. Die Politik der Regierung in der deregulierten Wirtschaft besteht zumeinst in den Löschen von entstehenden Bränden, als aus der Erarbeitung eines dauerhaften Lösung für den Kohlebergbau. Der gesamt Sektor wird immer mehr zerstückelt, was die Ausarbeitung eines einheitlichen Planes erschwert. Es geht hier um Milliarden Złoty! 

Der Bergbau als letzte Bastion

Warum ist der Bergbau im Visier jeder Regierung? Weil unrentabel, weil subventioniert werden muss – das ist der Denkhorizont der Regierenden. Aber das stimmt einfach nicht. Nach Berechnungen der Industrie- und Handelskammer für den Bergbau fließen jährlich 7 Milliarden Złoty in den Staatshaushalt. Vor allen Dingen handelt es sich um Steuern – die Kohlekonzerne zahlen 23 unterschiedliche Steuern. In den vergangenen 25 Jahren hat der Kohleberbau insgesamt 200 Milliarden Złoty an den Staatshaushalt abgeführt. Zur gleichen Zeit bekam er aus Warschau 23 Milliarden Złoty. Allein im Jahr 2013 hat der Staatshaushalt verschiedene andere Betriebe mit 22,7 Milliarden Złoty subventioniert – unter den größten Nutznießern war kein Kohlekonzern. Natürlich hat der letzte Preiszerfall sich negativ auf die Kohlekonzerne ausgewirkt. Aber wer kann voraussehen, wann die Rohstoffpreise wieder in die Höhe gehen? Eine andere Sache ist, dass die polnische Wirtschaft von Kohle abhängig ist und nach der Liquidierung von Zechen – durch jede jeweilige Regierung – werden wir vom  Import abhängig sein.

Dies zeigt, dass sie Argumentation gegen die Kohleförderung – angeblich ökonomisch – unlogisch ist. Zwei Dinge sind zu vermuten: entweder weitere Attacken gegen den Kohleberbau wegen der chaotischen Wirtschaftspolitik der Regierung, oder die bewusste Zerschlagung der letzten Bastion der Arbeiterschaft in Polen: mit normalen Löhnen, mit normalen Arbeitsverträgen und vor allen Dingen mit vorhandenen Gewerkschaften. Ohne dem geht es nur noch abwärts…

 Worauf auch Jarosław Makowski aufmerksam machte: „Die Kumpel sind in der Lage – was wir in den sozialen Medien sahen – eine Gemeinschaft von Erfahrungen aufbauen, sie besitzen einen Ethos und sie haben verstanden, dass sie nur gemeinsam ihre Interessen verteidigen können. Sie haben ihre Sprache, ihre Rituale, ihre Feiertage. Offensichtlich sind die Bergarbeiter heute die letzte Bastion in der die Glut der Zusammengehörigkeit glimmt – die Überzeugung, das einer des anderen Last mitträgt”.

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Deutsche gegen Hitler

von Dariusz Zalega

In dem Film „Walküre” mit Tom Cruise werden deutsche Offiziere uns vorgestellt, die feststellten, dass der Krieg verloren ist und sich entschlossen Hitler zu beseitigen. Der Ursprung des deutschen Widerstandes wurde allerdings von linken Aktivisten gebildet, die sich von Anfang an gegen das Regime gestellt haben. Viele von ihnen waren auch in Polen aktiv.

Als die polnischen Partisanen Bruno Lehmann, der die Wehrmacht verlassen hatte und sich im Dorf bei einem polnischen Bauern versteckte, fragten was er tun würde, wenn man ihn am Leben ließe, meinte er er würde alles tun, nur um zu zeigen, dass nicht alle Deutschen Verbrecher seien. Daran erinnerte Władysław Sobczyński von der 1. Brigade der Landesarmee: „Bruno hat die Ehre Deutscher gerettet. Bei unseren Partisanen war der Grundstein für die Auffassung gelegt, dass Deutscher – heißt nicht Faschist, und Faschist bedeutet nicht gleichzeitig Deutscher”. Der größte Teil der deutschen Soldaten, Polizisten und Angestellter im damaligen Polen war dem 3. Reich hörig. Die Abkehr aus dieser Unterordnung erforderte eine Seelenstärke, eine Abkehr von ihren bisherigen Auffassungen und viel Mut, denn schließlich war es nach der damaligen Propaganda Landesverrat. Trotzdem haben sich viele Deutsche zu diesem Schritt entschlossen und das verdient unsere Achtung. Władysław Góra und Stanisław Okęcki, die Autoren des Buches „Sie kämpften um ein neues Deutschland („Walczyli o nowe Niemcy” – Warszawa 1972) widmeten ihr Buch deutschen Antifaschisten  im Widerstand in Polen und teilen sie in verschiedene Gruppen ein: Ehemalige Mitglieder der KPD oder SPD und auch parteilose Antifaschisten, die im Widerstand aktiv waren oder ihm eine Hilfe waren Emissäre des Nationalkomitees „Freies Deutschland“, die durch die ausländische Führung der KPD in das III. Reich durch das Generalgubernat geschickt wurden und die Hilfe des polnischen Widerstandes in Anspruch nahmen. Dazu können auch die deutschen Antifaschisten gerechnet werden, die die Rote Armee nach Polen schickte, um die Lage auszukundschaften. Gefangene aus den Konzentrationslagern, Zwangsarbeitslagern in Polen, Mitglieder des Widerstands sowie deutsche antifaschistische Flüchtige aus diesen Lagern, die dem polnischen Widerstand beitraten. Soldaten und Offiziere der Wehrmacht und Angestellte der Verwaltung der Besatzer, die aus den unterschiedlichen Gründen ihre Stellungen verlassen haben  und sich dem Widerstand in Polen anschlossen. Entweder haben sie mit den Partisanen zusammen gekämpft oder verblieben in ihren Einheiten und arbeiteten mit dem Widerstand zusammen. Ehemalige polnische Staatsbürger, Mitglieder der deutschen Minderheit aus den Gebieten des Vorkriegs-Polen (Reichsdeutsche, Volksdeutsche oder Personen, die sich in keine Liste eintrugen), die mit dem polnischen Widerstand zusammen arbeiteten. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass für deutsche Antifaschisten es mit zunehmenden Terror der Faschisten schwieriger wurde Kontakt mit dem polnischen Widerstand aufzunehmen. Es wurden grundsätzlich Deutsche mit Besatzern gleichgestellt. Verhältnismäßig einfacher war es für im Fall der linken Widerstandsbewegung, die internationalen Losungen und die Zusammenarbeit in der Vorkriegszeit waren noch in lebendiger Erinnerung.  

Wenn auch die Aktion N – gerichtet an die Deutschen - der Londoner Exilregierung auf eine psychologische Sabotage der deutschen Besatzer ausgerichtet war, kamen sie jedoch nicht auf die Idee eines gemeinsamen Kampfes von polnischen und deutschen Antifaschisten.

Die polnische Widerstandsbewegung

Die ersten Kontakte der linken polnischen und deutschen Antifaschisten in den Gebieten, die nach 1945 zu Polen gehörten, konnten schon in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre im Oppelner Gebiet beobachtet werden. Im Rahme des illegalen Komitee der Antifaschisten waren dort ehemalige Mitglieder des Vereins der Polen in Deutschland  und deutsche Kommunisten. Schon während des Krieges gab es bei der Polnischen Arbeiterpartei in Bielsko die Trybuna Slaska und später die Trybuna Robotnicza eine deutsche Redaktion, die einige Flugblätter in deutscher Sprache herausgab. In der Region um Bielsko war schließlich auch eine kleine Gruppe deutscher Antifaschisten - Sozialisten aus der Zeit vor dem Krieg - die den Namen: „Deutsche Antifaschistische Kampfgruppe  angeschlossen an die PPR“ annahm. In einem Bericht des Bezirkskomittees Katowice der PPR von Anfang 1944 heißt es: „Wir sind im Kontakt mit dem Stadtleiter von Breslau, der für Niederschlesien verantwortlich ist.  Zu ihnen gehören 260 Mitglieder - sie sind zu dritt in einer Gruppe, meist ältere, aber stark konspirativ, zu ihnen gehören auch einige Gruppen von Deserteuren.“ Es gab Kontakte zwischen der KPD und der PPR in Schlesien, Dies belegen Dokumente der Vertretung der Emigrierten Regierung vom August 1943, die in ihrem Bericht: „in Oberschlesien - vor allem im Gebiet von Katowice gewinnt die KPD an Stärke und die Deutschen Kommunisten bemühen sich um Kontakte mit polnischen Kommunisten. Im August 1943 veröffentlichte die PPR einem Artikel mit dem Titel: „Unser Verhältnis zu den Deutschen” in Lodz. „Jeder Deutsche der ein Amt ausübt ist ein Besatzer und ein Todfeind den wir bekämpfen werden. Aber jeder Deutscher, der verstanden hat wer Hitler ist, der verstanden hat, dass nur ein solidarischer Kampf aller Bewegungen von Antifaschisten eine Befreiung den Massen von Deutschen bringen kann, wird zu unserem  Verbündeten im Kampf gegen den Faschismus.”

Die PPR, die im Krankenhaus in der Oczki Straße Warschaus tätig war, hat Kontakt zur Kommunistischen Zelle im Geografischen Militärinstitut in der Jerozolimska Allee aufgenommen. Dadurch war es dankenswerter weise möglich der Volksarmee einige Landkarten zu übergeben. Leider wurden die Deutschen verhaftet und durch die Gestapo ermordet.  In Warschau arbeitete mit der Volksarmee lange Zeit ein Mechaniker und Ingineeur Karl zusammen.  Es stammte aus Chemnitz hatte  bereits bis zum Ausbruch des Krieges bei der illegalen Tätigkeit der Kommunisten mitgemacht. Als er zum Militär musste, war er im Transportbatallion in Warschau, er suchte Kontakt mit der polnischen Linken. So versorgte er sie dann mit Waffen und Munition und mit Berichten über Heeresbewegungen. In Posen arbeiteten deutsche Kommunisten mit linken polnischen Aktivisten zusammen, die im Heereszeugamt für Eisenbahn und Straßenbahn beschäftigt waren. Bei dieser Art von Aktivitäten war die ideele Einstellung eindeutig bei der Kontaktaufnahme. Ganz anders war es bei den Deutschen, die sich bei den Partisanen einfanden. Hier handelte es sich zu meist um Zufälle. Wenn zum Beispiel die Gefahr bestand, dass die Gestapo zugreift oder  polnische Kräfte die Einheit zerschlugen. Eine Einheit der Volksarmee, die in den nördlichen Masuren agierte, befand si9ch ein deutscher Arbeiter aus Hamburg Hermann Gondermann. Ihm war es gelungen aus dem Gefängnis zu flüchten, wo ihn die Todesstrafe durch das Kriegsgericht erwartete. Bei den Partisanen hat er sich verdient gemacht und erhielt den Orden: „Verdienste auf dem Feld der Ehre” III. Klasse. Beim Kampf der Volksarmee bei Rablow fiel ein 55. Jähriger deutscher Partisan und ehemaliger Briefträger aus Hamburg. Bei einer Einheit bei Lublin gab es mindestens zwei Deutsche Franz und Rudolf - Arbeiter und Kommunisten aus Hamburg. Ebenfalls aus dieser Gegend ist ein Beispiel vom Juli 1944 bekannt geworden, in dem vier deutsche Gendarmen ihre Waffen vor den Partisanen niederlegten und ihre Bereitschaft erklärten auf der Seite der Partisanen zu kämpfen. In der Gegend von Kielce kämpften über ein Dutzend Deutsche bei den Partisanen. Einige deutsche Piloten gab es in der Einheit „Garbaty”, die vor ihrem Überlauf zu den Partisanen ihre Flugzeuge verbrannten. Im Gebiet von Krakau kämpften auch einige Deutsche. Bei den Kämpfen bei Gruszka sind drei deutsche Antifaschisten gefallen, wobei sich einer mit einer Hand Granate unter einen Panzer warf. Wladyslaw Machajek erinnert sich: „ Man muss schon anerkenne, dass die deutschen Antifaschisten (besonders die Kommunisten) sehr kämpferisch waren. Bei allen Kämpfen gaben sie ein Beispiel von ihrem Mut und kämpften in vorderster Front.” Deutsche Antifaschisten konnte man auch bei der Landesarmee und bei kämpfenden Bauern antreffen, wobei sie dort seltener an Kämpfen teilgenommen haben. Bei der Kavallerie in der Gegend um Bialystock haben auch 7 ehemalige Soldaten der Wehrmacht teilgenommen, darunter zwei aus Kattowitz. Es sollte auch der Pfarrer Erwin Thyron aus Puskow erwähnt werden. Er hat mit der Organisation in Gryf/Pommern zusammengearbeitet und sammelte Informationen über den Bau von V1 und V2 Raketen. Eduard Müller hat der polnischen Abwehr auch wichtige Informationen über die Erweiterung der Luftfahrtindustrie in Malbork, der Munitionsfabrik in Krolew, der synthetischen Benzinherstellung in Halle und der einer geliefert. Der deutsche Offizier von Bock lieferte Informationen über einen Sonderzug, mit dem Hitler am 9. Juni 1942 durch Tczew fahren sollte und auf den ein Anschlag geplant wurde. Er hatte den Kontakt mit der polnischen Widerstandsbewegung mit Hilfe von Kontakten  der „Weißen Rose” aufgenommen. Mitte 1944 flüchteten drei deutsche Soldaten zu einer Reserveeinheit bei Sandomierz und sie nahmen später bei der Aktion „Sturm” teil.

Im Namen des „Freien Deutschland”

Im Juli 1943 gründete die KPD das Nationalkomitee Freies Deutschland. Unter ihr gab es die so genannte Frontorganisation, deren Aufgabe es war hinter  der deutschen Front zu agieren. Dabei spielten auf dem Gebiet Polens die konspirativen Zirkel der PPS eine entscheidende Rolle. Am 14. November 1943 wurde in der durch das Komitee herausgegebene Zeitung „Freies Deutschland” eine Resolution polnischer Kriegsgefangener - vor allem Schlesier, die zur Wehrmacht eingezogen wurden - veröffentlicht: „ Die Faschisten  haben sich entschlossen mit Feuer und Schwert Polen zu von der Weltkarte zu löschen. Wollen wir, die Feinde Hitlers, das zulassen? Niemals! Deutsche Patrioten! Greifen wir gemeinsam zu den Waffen, vernichten wir die faschistische Pest, machen wir der Hoffnungslosigkeit des Krieges ein Ende und schaffen einen gerechten und schließlich gab es Hitler und seinen Kreaturen freie Handvertrauensvollen Frieden, der es ermöglicht unsere zerstörten Länder wieder aufzubauen. Lasst uns unter der alten und bewährten Losung der polnischen Demokratie kämpfen: „Für Eure und unsere Freiheit!” Aber nicht nur Kriegsgefangene polnischer Abstammung oder mit kommunistischen Wurzeln ergriffen das Wort in sowjetischen Gefangenschaft. In einem Artikel unter der Überschrift „Unsere Schuld gegenüber Polen“ von Hauptmann Ernst Hadermann lesen wir: „Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass unser Volk auch verantwortlich dafür ist was passierte…schließlich gab es Hitler und seinen Kreaturen freie Hand. Viele von uns waren durch die nationalsozialistische Propaganda und die anfänglichen Erfolge blind geworden. Sie glaubte4n, dass sie berufen sind über andere Nationen - niedrigerer Rasse - zu  herrschen. (Freies Deutschland 11.02.45) Das Londoner Lager (polnische „Exilregierung”) hat die Entstehung des Komitees dazu benutzt, um Moskau vorzuwerfen, dass die Aktivitäten mit den deutschen Antifaschisten nur ein zynisches Spiel wäre, wofür schließlich Polen  bezahlen müsste. So veröffentlichte ihre Schrift am 8. November 1943 „Deutsche und Russen an polnischer Grenze“ geradeheraus: „ es wäre Selbstmord irgend eine Hilfe der Russen gegenüber den Deutschen zu erwarten.” Die PPS jedoch hat sich bereit erklärt den Aktiven von „Freies Deutschland”  zu helfen aus der UdSSR nach Deutschland oder Tschechien zu gelangen. Dazu wurden Kontakte mit deutschen kommunistischen Arbeitern in Lodz genutzt. Schon in der Nacht vom 9. auf den 10. September 1942 kamen zwei Fallschirmspringer ein Tscheche und die deutsche Kommunistin Rita in der Region von Westpolen. Diese Art von Aktionen verstärkten sich je näher die Front gen Polen rückte. Ende Juli 1944 hat die polnische Volksarmee dabei geholfen eine Gruppe deutscher Kommunisten in den Westen zu kommen. In Oberschlesien bei Zabrze waren zwei Widerstandsgruppen recht aktiv, die durch die deutschen Kommunisten Vinzent Porombke aus Berlin und Roman Ligendz aus Zabrze gegründet waren und im Kontakt mit polnischen Antifaschisten waren. Beide kamen Anfang 1943 nach Schlesien. Dazu sei gesagt, dass Porombka Soldat bei der 11. Internationalen Brigade während des Bürgerkrieges in Spanien gewesen war. Im Januar 1945 hat eine Einheit des Volkssturms, die durch Poromka - Leute durchsetzt war, – ihre zugewiesene Plätze vor den anrückenden Rotarmisten verlassen.  Der Führer der 11. Brigade Gustav Szinder hat auch Hilfe durch den polnischen Widerstand erhalten, als er 1943 Ostpreußen verlassen musste.  Am berühmtesten wurde jedoch der Weg einer Gruppe von Aktivisten des „Freien Deutschland”, die in der Nacht vom 22. Auf den 23. August 1944 im Gebiet Radomszczanski absprangen. Zu ihnen gehörten fünf deutsche Kommunisten: Josef Gieffer und Ferdinand Greiner,auch ehemalige Spanien-Kämpfer, Josef, Kiefel, Artur Hoffmann und der junge Funker Rudolf Gyptner. Die Gruppe hatte die Aufgabe in das alte Reich zu gelangen und dort Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Deutschen erreichten die Herbskie Wälder und trafen dort auf die Volksarmee, bei der sich schon einige Deserteure befanden, die ihnen half in die Gegend von Lubliniec zu gelangen. Die fünf teilten sich in zwei Gruppen und versteckten sich bei Mitgliedern der  örtlichen Volksarmee. Dort warteten sie auf  Begleiter, die sie in das Gebiet von Oppeln und Breslau führen sollten. Gieffer und Gyptner hielten sich in dem Dorf Pawonkow bei dem Mitglied der Volksarmee Rochus Kurpies  auf, wo sie von der Gendarmerie entdeckt wurden. Alle drei sind im Kampf gefallen. Darauf entschlossen sich die drei verbliebenen Antifaschisten nach Radom zurück zu kehren, weil ihnen bewusst war, dass die Faschisten ihnen auf den Fersen waren. Sie wurden jedoch verletzt, jedoch gelang es ihnen sich bei einem Bauern in Pilica zu verstecken, wobei sie auf dem Weg dorthin noch an Kämpfen teilnahmen, jedoch dort dann die Befreiung erlebten. Aleksander Arendt, der ehemalige Kommandant des Untergrunds in Gryfow/Pommern kann sich an diese Zeit noch gut erinnern, als er durch die Gestapo im Arrest war. „Ich kann mich an den deutschen Offizier der Luftwaffe Bersch, der aus Düsseldorf stammte und von Stalingrad hierher verwiesen wurde, einen Wolgadeutsche Ilke und andere. Als im Januar 1945 das Gefängnis von Danzig evakuiert wurde sind alle Fallschirmspringer erschossen worden. Eine der größten Aktionen der deutschen Antifaschisten auf dem Gebiet des heutigen Polens war die Aktion von 80 Deutschen, die durch die Ukrainische Front in das durch die Rote Armee eingeschlossene Breslau geleitet wurde. In der Nacht vom 5 auf den 6. Mai 1945 hat die Gruppe von Antifaschisten unter der Führer von Horst Vieth nach Breslau zu kommen, aber machten große Verluste, auch Vieth ist dabei gefallen. Wichtig ist anzumerken, dass es in Breslau selbst eine konspirative Zeitung „Der Freiheitskämpfer” gab, die von den dortigen Widerstandskämpfern herausgegeben wurde.  Die Aktivisten vom „Freien Deutschland” haben eine große Rolle bei der Kapitulation der deutschen Garnison Grudziadziarz gespielt. Über 20 Antifaschisten, die in die Garnison gelangten, haben 400 von insgesamt 1.400 Soldaten der Roten Armee übergeben. Eine noch größere Anzahl - 148 Emissäre des Komitees Freies Deutschland - nahmen in Posen an einer Aktion teil und konnten 1.300 Soldaten auf die andere Seite der Front führen.

Von Szczecin nach Białystok

Von den Städten, die zumeist von deutschen bewohnt waren und sich dann 1945 in den Grenzen von Polen befanden sollte an starke Widerstände in Breslau, Danzig und Stettin erinnert werden. In Stettin zählte die Widerstandsgruppe bis zur Verhaftung ihrer Leiter über 250 Aktive, deren größte all der linken angehörte. Sie führte Sabotageaktionen in Stettiner Betrieben durch – (zum Beispiel beim Versenken des U-Boots U-346). In der zweiten Hälfte von 1942 entstand eine starke Widerstandsgruppe auf der Insel Usedom. Zu ihnen gehörten deutsche Antifaschisten von der Insel, sowie Polen und Holländer aus den Zwangsarbeitslagern. An ihrer Spitze stand der Priester Carl Lampert, der holländische Kommunist Ter Morsche und der polnische Zwangsarbeiter Siekierski. Alle wurden enthauptet. In Breslau haben konspirative Aktivitäten Anfang 1940 zugenommen, es waren deutsche, polnische und auch tschechische Antifaschisten beteiligt. Im Frühjahr 1943 hat in Gdynia eine konspirative Gruppe der Arbeiterpartei Polnischer Sozialisten mit einer Gruppe von deutschen ehemaligen Sozialdemokraten zusammen gearbeitet. In Danzig hat eine Gruppe von deutschen Sozialdemokraten polnische Zwangsarbeiter unterstützt. In der Wende von 1944 auf 45 bildete sich eine starke Widerstandsgruppe bei der Flugabwehr in Wilkowice in der Nähe von Auschwitz, die aus 10 deutschen Soldaten und 72 sowjetischen Kriegsgefangenen bestand die Bautätigkeiten zugeteilt waren. An ihrer Spitze stand Hans von Schnitzler, der aus einer großen bürgerlichen Familie stammte, allerdings 1932 in die KPD eintrat. Nachdem er Kontakte zu polnischen Partisanen geknüpft hatte, gelang es ihm führende Posten in der Batterie zu besetzen und beim sowjetischen Angriff das Feuer auf die Wehrmacht zu richten und somit der Roten Armee den Durchbruch zu erleichtern. Auf dem Gebiet von Bialystock arbeitete eine Gruppe deutscher Antifaschisten, die aus verschiedener sozialer Schichte stammten, mit dem polnischen Widerstand zusammen. Zu dieser Gruppe gehörte u.a. Artur Schade, der Direktor des Textilkombinats Nr. 4 von Bialystock, der vor dem Krieg mit der Sozialistischen Bewegung verbunden war und der half einige jüdische Arbeiterinnen des Betriebes zu retten. In der Widerstandsgruppe war auch der Deutsche Fabrikangestellte Bohlen, dessen jüdische Frau und Tochter die Faschisten ermordeten.

Jerzy Fionkiewicz von der PPR erinnert sich an die Zeit: „Wenn heute über Deutsche gesprochen wird, die in den Jahren als der Faschismus zur größten Bestialität heranwuchs, sich darum bemühten die Ehre des deutschen Volkes zu retten, steht vor meinen Augen Karl.. Leider kannte ich keinen anderen Deutschen, der wie er war. Aber weil ich Karl kannte, wusste ich, dass es welche gibt. Aus seinem Mund klang die deutsche Sprache ganz anders, als das was ich in den Jahren der Okkupation auf unseren Straßen hörte. Karl hat zum ersten Mal zu mir Genosse gesagt, was im polnischen „towarzysz” heißt.

In den Lagern

Bei der Flucht von 10 Gefangenen aus dem Lager Majdanek im März 1944, organisiert durch die Untergrundorganisation  Orzeł (Adler) nahm der deutsche Kapo und Kommunist Georg Arold teil. Er nahm später an den Partisanenkämpfen im Gebiet von Lublin teil und fiel im Juli 1944. In diesem Lager  war auch eine unabhängige Gruppe deutscher antifaschistischer Gefangener teil. Eine aktive Rolle bei der internationalen „Kampfgruppe Auschwitz” spielten deutsche Antifaschisten. In den Erinnerungen des Gefangenen T. Hołuj ist zu lesen: „ Die Initiative für die politische Arbeit ging von Österreichischen Kommunisten schon 1941 aus. Aus Auschwitz flüchteten mindestens 20 Gefangene. Ein Teilnehmer an einer Flucht Janusz Kuczbara  erklärte einem Helfer bei der Aktion, der verwundert war, dass es auch deutsche Flüchtlinge gab: „Was immer ihr ihm antut, das tut ihr uns an. Das ist ein ehrenwerter Mensch, der wegen seiner Ideale ins Lager geschickt wurde. Das ist ein deutscher Kommunist, des sich überhaupt nicht mit dem faschistischem Regime solidarisiert – genauso wie wir Polen und dafür kam er ins Lager. Im Lager hatte er ein sehr wichtiges Amt als Leiter der Lagerarbeiter und hat uns Polen großen Schutz gewährt.”

Polnische Deutsche

Gedenken sollten wir auch Deutschen – vor dem Krieg polnische Staatsbürger – aus den Kreisen der deutschen Linken, die vor allen Dingen in Lodz und Schlesien stark war. Am 16. August 1941 haben die Faschisten eine Gruppe junger deutscher Antifaschisten erschossen, die nicht bereit waren zur Wehrmacht mobilisiert zu werden. Unter ihnen waren u.a.: Maksymilian Jan Reiner, Otto Pfeifer, Kazimierz Kobza, Egon Hau, die Brüder Kurt und Harry Bauer, Aleksander Beck.  Allein von Herbst 1940 bis Herbst 1941 wurden im Gebiet von Lodz wegen „marxistischen Aktivitäten” zehn Reichs – und Volksdeutsche festgehalten. Über ein Dutzend Deutscher – Volksdeutscher – gehörte der Volksarmee bei Kalisz an, die meisten wurden gefangen und im Januar 1945 kurz vor der Befreiung erschossen.

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Polnische Bergleute im Streik

Zehn Tage, die Oberschlesien erschütterten von Dariusz Zalega Die Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg – so kann das Ergebnis der letzten Proteste gegen die Schließung von Zechen beim Kohlekonzern Kompania Weglowa A.G. umschrieben werden. In den anderen Kohlekonzernen ist es auch nicht ruhig. Eines ändert sich allerdings – die gesellschaftliche Einstellung zu den Protesten der Bergleute.Bisher war es so: Die Bergleute streiken, im Internet ergießt sich eine Flut von Hass gegen sie, und die Medien beginnen mit einer Kampagne gegen die Kumpel. Dieses Schema funktionierte bis zu den jetzigen Massenprotesten in Oberschlesien. Hier ging es darum, vier Zechen, die die Regierung schließen wollte, zu verteidigen.

Gebrochene Versprechen

2014 war kein gutes Jahr für den Bergbau, die Preise für Kohle fielen. Es gab Gespräche mit der Regierung und mit Donald Tusk, der bis Oktober 2014 Premierminister gewesen war und jetzt Präsident des Europäischen Rates ist. Letzterer erklärte nach einem Gespräch mit Vertretern einer Delegation: «Eine schnelle Schließung von Zechen liegt nicht im Interesse des Staates. Solche Entscheidungen sind recht kostspielig, sowohl in gesellschaftlicher Hinsicht als auch mit Blick auf den Staatshaushalt.» Eine ähnliche Erklärung hatte auch Premierministerin Ewa Kopacz anlässlich des Barbarafestes im vergangenen Dezember abgegeben. Sie hat sie schnell vergessen. Am 7.Januar gab Kopacz anlässlich der ersten hundert Tage ihrer Amtszeit eine Pressekonferenz. Ihr zweiter Punkt lautete: «Vorstellung des Plans für den Kohlekonzern Kompania Weglowa, des größten Kohlekonzerns in der EU.» Die Bergleute erfuhren aus den Medien, dass vier Zechen geschlossen werden sollten (Pokoj, Brzeszcze, Bobrek-Centrum und Sosnica-Makoszowy). Lange ließen ihre Reaktionen nicht auf sich warten. Am nächsten Tag wurde das Streik- und Protestkomitees des Bündnisses der Gewerkschaften (MKPS) der Region Schlesien/Dabrowa reaktiviert. Dieses Komitee hatte vor zwei Jahren den Generalstreik organisiert.

Versammlungen und erste Proteste

Bald streikten in verschiedenen Zechen 2000 Kumpel unter Tage. Die Bevölkerung der Region reihte sich in den Protest ein: tausende Demonstranten liefen durch Zabrze, Ruda Slaska und Bytom, und bei der Zeche Brzeszcze entstand ein Zeltstädtchen. Am 11.Januar begannen die Verhandlungen mit der Regierungsdelegation. Die Gewerkschaftsvertreter brachen sie jedoch ab, weil sie sich veralbert fühlten. Inkompetenz, fehlende Dialogbereitschaft – so kritisierte der Chef eines TV-Nachrichtensenders, keineswegs ein Kämpfer für Arbeitsrechte, das Verhalten der Regierungsvertreter. Nun änderte sich die Einstellung zu den Protesten in ganz Polen. Sogar im Internet war das spürbar, dort gab es immer mehr Stimmen, die die Kumpel unterstützten. Auch die überregionalen Medien widmeten sich den Auffassungen der Bergarbeiter. Eine Umfrage von zwei TV-Sendern ergab, dass 68,5% der Bevölkerung die Bergleute unterstützten. Diesmal verpufften all die üblichen Aussagen der Regierung, wie viel Krankenhäuser sie bauen könnte, wenn sie nicht den Bergbau unterstützen müsste. Die Streikenden erreichten immer mehr Zeichen der Unterstützung aus ganz Polen. Selbst die Gewerkschaft der Polizei unterstützte den Streik offen: «Die uniformierten Dienste – somit auch die Polizei, haben am eigenen Leib erfahren, wie ein Dialog mit der Regierung ausschaut!»

Im Internet

Die Mobilisierung der Bergleute spiegelte sich sogar in den sozialen Netzwerken wieder. Auf Facebook gab es Unterstützerseiten, es wurden Unterstützungsaktionen angeschoben und viele Fotos veröffentlicht. Eine der interessantesten Initiativen war eine Fanseite, auf der die Kumpel Kopien ihrer Lohnzettel veröffentlichten. Das Echo war enorm, wurden sie doch bisher in der staatlichen Propaganda als Krösusse dargestellt. Eine weitere interessante Initiative war eine Seite, die Fotos von verschiedenen Betrieben zeigte, die eine Umstrukturierung bzw. Schließung schon hinter sich hatten. Ein Philosoph und Publizist, der mit der regierenden Bürgerplattform (PO) verbunden ist, meinte deshalb: «Wir sehen die Kumpel eher mit der Hacke in der Hand als mit einem Smartphon, aber sie können recht erfolgreich die neuen Medien zur Verteidigung ihrer Interessen nutzen!»

Der Öffentlichkeit wurde nach und nach bekannt, dass die ökonomischen Gründe, die die Regierung zur Begründung der Zechenschließungen nannte, auf recht wackligen Füßen stehen. So wies zum Beispiel Jerzy Markowski, ein Experte für den Bergbau und ehemaliger Vizeminister im Wirtschaftsministerium, darauf hin, dass die jetzige Regierung und ihr Wirtschaftsminister einen Investitionsplan für die Zeche Brzeszcze akzeptiert hatten, der auch umgesetzt wurde: «Diese Zeche wurde rentabel gemacht, indem sie innerhalb von zwei bis drei Jahren die Zahl der Arbeiter um 40% senkte, hat neue Flöze erschlossen, sie hat ein modernes Verfahren für die Anreicherung und Verarbeitung der Kohle entwickelt und eine Anlage für die Absaugung des Methans gebaut. Jetzt ist alles mit großem Kostenaufwand fertiggestellt, und da wird diese Zeche geschlossen.»

Abmachungen mit einigen Unbekannten

Die Vernichtung von 10000 Arbeitsplätzen durch die Schließung dieser Zechen zieht weitere 30000–40000 Arbeitsplätze nach sich, die direkt oder indirekt damit zu tun haben. Für die Region wäre es eine große gesellschaftliche und soziale Katastrophe, vor allem für die Städte, zu denen die Zechen gehören. «Die Auswirkungen der Schließung der Zeche Pokoj werden massiv sein. Deswegen bin ich mit der Schließung dieser Zeche nicht einverstanden!», erklärte die Stadtpräsidentin von Ruda Slaska, der bedeutendsten Bergbaustadt in Europa. Der Präsident von Gliwice stimmte ihr zu. Für ihn sieht der Plan der Regierung zur Umstrukturierung im Bergbau eher nach einer Erkärung für die Medien aus als nach einem ernstzunehmender Plan für Veränderungen im polnischen Bergbau.

Diese Reaktionen führten die Regierung tief in die Defensive, zumal der Protest drohte, sich über das ganze Land auszudehnen. Die Hoffnungen des früheren Finanzministers Rostowski und vieler anderer Politiker und Publizisten, Ewa Kopacz möge die polnische Margaret Thatcher werden, erfüllten sich nicht. Am 17.Januar unterzeichnete die Regierung ein Abkommen mit den Gewerkschaften und gab dabei die Absicht, Zechen zu schließen, auf.

Die Verständigung war nicht einfach, aber gut. Zumindest haben wir erreicht, dass dem polnischen Bergbau nicht mehr eine Teilliquidierung droht. Es ist ein schwieriges Programm. Der Solidarnosc-Chef der Region meinte: «Leider wird es auch so manchen weh tun.» Es entsteht eine sog. Nowa (neue) Kompania Weglowa, ein Teil der Zechen wird vom «Verband zur Restrukturierung der Bergwerke» übernommen, bevor sie möglicherweise an neue Investoren gehen (z.B. an die öffentliche Hand oder die Energiewirtschaft). Verstärkt wird der Energiesektor vom Bergbau beliefert, die Kumpel verlieren nicht ihre Sonderrechte, die Bedingungen, aus der Arbeit auszuscheiden, wurden verbessert. Vor allen Dingen wurden die Arbeitsplätze erhalten.

Alle Vereinbarungen werfen Fragen auf, so auch diese: Wäre es nicht möglich gewesen mehr zu erreichen? Wurde nicht der Weg zur Privatisierung geöffnet? Und wie wird die EU reagieren, heißt es doch im Beschluss Nr.787 aus dem Jahr 2010, dass nur die Bergwerke mit ihrer Unterstützung rechnen können, die geschlossen werden sollen? Das verbesserte Programm soll 2,3 Milliarden Zloty kosten – paradox 200 Millionen weniger als das vorherige Programm zur Schließung der Zechen. Der Kampf ist gewonnen, ja, aber bis zum Sieg ist es noch weit. Schwelende Feuer

Die Kompania Weglowa (KW) ist nur einer der Kohlekonzerne. Dies rief einige Tage später der Protest bei Jastrzebska Spolka Weglowa (JSW) in Erinnerung, das Unternehmen ging 2011 an die Börse, obwohl der Staat weiter 55% der Anteile hält. Hier schwelt seit langem ein Konflikt zwischen den Gewerkschaften und der Konzernleitung, deren Chef, Jaroslaw Zagorowski, die längste Dienstzeit in der Branche vorweisen kann.

Die Entlassung von neun Gewerkschaftern der Zeche Budryk goss zusätzlich Öl ins Feuer – sie hatten die Kollegen von KW unterstützt. Die Gewerkschaften werteten die Entlassungen als Bruch der Vereinbarungen vom 17.Januar, in denen zugesichert war, die protestierenden Bergarbeiter nicht zu bestrafen.

Am 28.Januar traten die Bergleute bei JSW in den Streik. Die Kleinanleger wurden daraufhin so wütend, dass sie den Konzernvorstand unterstützten. Eine der Forderung der Bergleute betrifft die Übernahme solcher Beschäftigter, die unter schlechteren Bedingungen [mit einer Art Werkverträgen] beschäftigt wurden. Ihre Hauptforderung ist jedoch die Abberufung der gesamten Konzernführung, die von den Gewerkschaften als inkompetent betrachtet wird. Das scheint nicht unbegründet zu sein, hat doch die Wirtschaftszeitung Puls Biznesu im März 2013 durchblicken lassen, der Vorstand von JSW habe eine Versicherung in Höhe von 1 Milliarde Zloty abgeschlossen, um sich vor dem Vorwurf der Unwirtschaftlichkeit zu schützen.


Sehr unsicher ist auch die Situation beim dritten Kohlekonzern, der Katowicer Kohle-Holding (KHW), ihr droht im Frühjahr die Zahlungsunfähigkeit.

Der Bergbau ist die letzte Bastion

Trotz des Abkommens vom 17.Januar hat sich die Situation im Kohlebergbau nicht beruhigt. In der deregulierten Wirtschaft ist die Regierung meistens eher mit dem Löschen von Bränden beschäftigt, als mit der Erarbeitung einer dauerhaften Lösung für den Kohlebergbau. Der gesamte Sektor wird zunehmend zerstückelt, was die Ausarbeitung eines Gesamtplans erschwert. Es geht hier um Milliarden Zloty! Warum ist der Bergbau im Visier jeder Regierung? Weil er unrentabel ist, weil er subventioniert werden muss, so denken die Regierenden. Aber das stimmt einfach nicht. Nach Berechnungen der Industrie- und Handelskammer fließen jährlich 7 Milliarden Zloty aus dem Bergbau in den Staatshaushalt. Das sind vor allem Steuern – die Kohlekonzerne zahlen 23 unterschiedliche Steuern. In den vergangenen 25 Jahren hat der Kohlebergbau insgesamt 200 Milliarden Zloty an den Staatshaushalt abgeführt. Zur gleichen Zeit bekam er aus Warschau 23 Milliarden Zloty Subventionen. Doch allein im Jahr 2013 hat der Staatshaushalt verschiedene andere Betriebe mit 22,7 Milliarden Zloty subventioniert! – unter den größten Nutznießern war kein Kohlekonzern. Natürlich wirkt sich der jüngste Preisverfall negativ auf die Kohlekonzerne aus. Aber wer kann voraussehen, wann die Rohstoffpreise wieder in die Höhe gehen? Die polnische Wirtschaft ist von der Kohle abhängig. Nach der Schließung der Zechen werden wir von Importen abhängig sein. Das zeigt, dass die, angeblich ökonomische, Argumentation gegen die Kohleförderung unlogisch ist. Zwei Dinge sind zu vermuten: Entweder gibt es weitere Angriffe auf den Kohlebergbau, weil die Wirtschaftspolitik der Regierung chaotisch ist oder weil die letzte Bastion der organisierten Arbeiterschaft in Polen bewusst zerschlagen werden soll: weil sie normale Löhne, normale Arbeitsverträge und vor allem Gewerkschaften hat. Ohne das geht es aber nur noch abwärts… Darauf macht auch Jaroslaw Makowski aufmerksam: «Die Kumpel sind in der Lage – was wir in den sozialen Medien gesehen haben –, eine Gemeinschaft von Erfahrungen aufzubauen, sie besitzen einen Ethos, und sie haben verstanden, dass sie nur gemeinsam ihre Interessen verteidigen können. Sie haben ihre Sprache, ihre Rituale, ihre Feiertage. Offensichtlich sind die Bergarbeiter heute die letzte Bastion, in der die Glut der Zusammengehörigkeit glimmt – die Überzeugung, das einer des anderen Last trägt.»


Mit freundlicher Genehmigung der polnischen Ausgabe LeMonde Diplomatique März 2015